Naturschutzgebiet Wurzacher Ried


Standort

Das Naturschutzgebiet (NSG) Wurzacher Ried ist ein Naturidyll im Süden von Deutschland und zählt zu den größten Naturschutzgebieten in Europa. Darüber hinaus ist es das bedeutendste Moorgebiet in Süddeutschland. Das Sumpfgebiet liegt im Süden von Baden-Württemberg und gehört zum Landkreis Ravensburg.

Das Naturschutzzentrum Bad Wurzach betreut das gesamte Naturschutzgebiet Wurzacher Ried und koordiniert sämtliche Aufgaben zur Erhaltung der einzigartigen Moorlandschaft. Mitarbeiter des Naturschutzzentrums setzten sich rund ums Jahr für den Schutz und die langfristige Erhaltung der besonderen Sumpflandschaft ein. Zu ihren Aufgaben gehören vielfältige Entwicklungsprojekte, der Betrieb des Besucherzentrums mit vielen Ausstellungen und die Pflege der Feucht- und Nasswiesen. Natürlich darf auch die Öffentlichkeitsarbeit nicht aus dem Blick gelassen werden.

Durch sein großes Wegenetz und spannenden Angebote für Erwachsene und Kinder ist das Wurzacher Ried ein beliebtes Ausflugsziel. Wechselausstellungen und unterschiedliche Veranstaltungen locken immer wieder neue Besucher in das Naturschutzzentrum. Das NSG gilt als beliebter Treffunkt für unzählige Wanderungen für Naturliebhaber.


Merkmale

Einen hohen Stellenwert hat das Wurzacher Ried aufgrund seiner ökologischen Relevanz – auch über die Landesgrenzen hinaus. Das NSG Wurzacher Ried ist als anerkanntes Vogelschutz- und FFH-Gebiet seit 1989 Mitglied im europaweiten Schutzgebiet „Natura 2000“.

Die große Besonderheit des NSG ist die Tatsache, dass es das größte zusammenhängende und noch intakte Hochmoor in Mitteleuropa ist.

Etwa ein Drittel der 18 km² großen Gesamtfläche sind nahezu unberührt und bilden ein wichtiges Schutzgebiet für außergewöhnliche Tier- und Pflanzenarten. Hinzu kommt, dass das Moor viele unterschiedliche Moorarten beherbergt. Jeder Sumpf hat somit seine eigenen Merkmale.


Entstehung

Die Entstehung der Moorflächen reicht bis in das Alter der Eiszeit zurück. Damals, vor fast 200.000 Jahren zwängte sich erste Ausläufer des Rhein-Gletschers durch die enge Talsohle. Der Gletscher hinterließ ein tiefes Loch in der Landschaft.

Nachdem der Gletscher die Engstelle des Tahls durchbohrt hatte, kam er zum Stehen. Mitgeführten Felsbrocken formten einen großen halbrunden Moränenwall. Beim weiteren Zurückschmelzen lagerte er zwei zusätzliche Moränenwälle ab. So entwickelte sich in der Riss-Eiszeit der erste Teil des Wurzacher Beckens.

In der Würm-Eiszeit vor rund 20.000 Jahren veränderte ein weiterer Gletscher das Tal. Das geschah so: Die in das Wurzacher Tag strömenten Schmelze des Gletschers konnten nicht versickern. Es kam zur Anstauung eines ersten flachen Sees.

Nach der Eiszeit kam es zu einer raschen Erwärmung. Es siedelten sich Schwimmblatt- und Röhrichtpflanzen im Gewässer an. Den verschiedenen Pflanzenarten fehlte es allerdings an Sauerstoff. Sie staben ab aber zersetzten sich nicht vollständig sondern lagerten sich am Boden des Sees ab.

Über tausende von Jahren setzten sich im Wurzacher See so weitere Schichten des nährstoffarmen Torfs ab. Der See verwandelte sich durch die Torfablagerungen schrittweise zu einem Niedermoor, auch Grundwassermoor genannt.

Hohe Niederschläge veränderten die entstandene Sumpflandschaft immer weiter. Es siedelten sich erste Torfmoose an. Torfmoos speichert Wasser, säuert es an und bildet anschließend neuen Torf. Auf diesem Weg wuchs das Niedermoor immer weiter an. Das Torfmoos schuf in den zurückliegenden 5.000 Jahren bis zu sechs Meter neue Torfflächen. Flächen, die durch die Ausbreitung von Torfmoos entstehen, nennt man auch Hochmoore oder eben Regenmoor.


Moorvielfalt im Naturschutzgebiet Wurzacher Ried

Heutzutage besteht das Naturschutzgebiet Wurzacher Ried aus großen Regenmoorflächen. Daneben haben sich Flächen von Übergangsmooren und Grundwassermooren entwickelt. Es gibt Torfstichgebiete, in denen Wassergräben, Moortümpel, Torfstiche, Moorwälder und trockene Heideflächen einen wichtigen Lebensraum für verschiedene Lebewesen bilden.

Die Torfstichflächen wurden vor vielen Jahren von Menschen angelegt, die mit dem Torf ihren Lebensunterhalt, für ihre Familien verdienen mussten. Eine harte beschwerliche Arbeit.

Größere Wasserflächen auf dem FFH-Gebiet sind zwei bekannte Quellseen: Haidgauer- und Riedsee. Durch die Landschaft schlängeln sich natürliche Bachläufe. Sie heißen Dietmannser Bach und Haidgauer Bach. Darüber hinaus haben sich wunderschöne Riedwiesen um das gesamte Moorgebiet angesiedelt.


Regenmoor

Regenmoore können nur durch das Wachstum von Torfmoosen entstehen. Diese besonderen Pflanzen saugen Regenwasser wie ein Schwamm auf und speichern es für lange Zeit ab. Während sie an der Spitze immer weiter wachsen, sterben Torfmoose an der Unterseite ab und werden mit der Zeit zersetzt. So bilden sich neue frische Torfflächen. Torfmoose nehmen aus dem gespeicherten Regenwasser Nährsalze auf und säuern es an. Aus diesem Grund sind Regenmoore saure, nährstoffarme aber sehr nasse Lebensräume.

In Regenmooren gedeihen nur Überlebenskünstler wie Wollgras, Moosbeere, Sumpfrosmarin oder der insektenfangende Sonnentau.

Der riesige Hauptteil des Regenmoores ist weitgehend offen und frei von Gehölz. Wassergefüllte Mulden, auch „Schlenken“ genannt, wechseln sich mit unterschiedlich hohen Erhebungen, den „Bulten“, ab. Bestimmte Flächen des Sumpfs sind noch heute unberührt.
Am südlichen Rand des NSG hat die Moorkiefer einen dichten Urwald gebildet, das Spirken-Moor. Der westliche Teil des Haidgauer Regenmoors ist durch den früheren Torfabbau sehr stark in seiner Funktion beeinträchtigt. Es werden große Anstrengungen unternommen, um diese ehemaligen Torfabbauflächen wieder zu regenerieren und in die ursprüngliche Form des Sumpfes zu überführen.


Grund- und Übergangsmoor

Entlang der Gewässer sind kalk- und mineralreiche Grundwasser- und Übergangsmoore entstanden. Sie bieten bessere Bedingungen für das Überleben von verschiedenen Lebensarten. Intakte Grundwassermoore bieten einer großen Anzahl von Pflanzen und Tieren einen wertvollen Lebensraum.

Im Moor wachsen viele besondere Pflanzenarten wie das Sumpf-Blutauge, lila blühende Mehlprimeln, seltener Fieberklee, Sumpfherzblatt, außergewöhnliche Enzianpflanzen und nicht zuletzt etliche wilde Orchideenarten. Hinzu kommt eine interessante Insektenwelt, die sich im Moor sehr wohl fühlt. Die Bekassine und der Wachtelkönig gehören zu den seltenen Vogelarten in Deutschland und haben sich ebenfalls in diesem Teil des Naturschutzgebietes angesiedelt.

Vor vielen Jahren wurden die Moorwiesen im Spätsommer noch zur Gewinnung von Tierstreu abgemäht. Heute werden die Wiesen im Moor wieder sich selbst überlassen. Die alten Streuwiesen beherbergen heute viele seltene Süßgräser.


Moorwald und Riedheide

Durch den Torfabbau und die Entwässerung von weiten Teilen des Moors haben den Sumpf stark verändert. In den damaligen Torfstichgebieten finden sich noch heute offene Wasserflächen und nasse Bruchwälder. Dazwischen erstrecken sich eher trockene Sumpfgebiete, auf denen sich Heidekrautgewächse mit den Jahren stark ausgebreitet haben.

Faulbaum, Birken, Kiefern und Fichten bilden große Moorwälder, in denen Zwergsträucher wie die Preisel- und Heidelbeere zu finden sind. An diesen Stellen wächst auch die unbekannte Rauschbeere. Die Blätter der Rauschbeere ernähren die Raupe des Hochmoor-Gelblings. Diese besondere Schmetterlingsart trägt auch den Namen Zitronengelber Heufalter. Der Name des Schmetterlings geht auf seine gelbe Flügelfarbe zurück.

Wärmeliebende Tiere wie die Mooreidechse oder die giftige Kreuzotter fühlen sich im Moorwald und der angrenzenten Riedheide heimisch. Im Frühsommer kann man an den Moortümpeln lauten Froschkonzerten lauschen, oder Libellen bei ihren spannenden Paarungsflügen beobachten. Sumpfigen Tümpel bieten ein die ideale Laichflächen für unterschiedliche Froscharten. Dazu zählt auch der seltene Moorfrosch. Der Moorfrosch ist eine besonders kleine Froschart. Er wird kaum größer als sieben Zentimeter. Die Männchen erkennt man an ihrer strahlend blauen Farbe.


Haidgauer Quellseen

Für Besucher ist das Haidgauer Quellsee-Gebiet besonders reizvoll. Das Quellwasser des Haidgauer Sees schillert in einer traumhaft schönen türkisen Färbung. Die intensive Wasserfärbung entsteht durch das besonders kalk- und mineralhaltige Wasser. Ein spezieller Vorgang, bei dem sich Kalk auf einzelnen Wasserpflanzen und dem Grund des Sees ablagern kann.

Die Haidgauer Ach, schlängelt sich durch das Wurzacher Ried. Dabei trifft sie auf die Dietmannser Ach, die ihr aus der entgegengesetzten Richtung zufließt. Durch den Zusammenfluss der Bäche am Riedrand des FFH-Gebiets entsteht die Wurzacher Ach. Sie fließt aus dem Naturschutzgebiet heraus, durch das Städtchen Bad Wurzach und weiter über die Iller in die Donau.


Riedsee

Vogelkundler schätzen den Riedsee als besonderen Aussichtspunkt für zahlreiche Vogelbeobachtungen. Man kann viele Wasservögel beobachten beispielsweise das Blässhuhn. Wer besonders aufmerksam ist und seinen Blick nicht nur auf den Himmel richtet, kann eventuell Glück haben, und die seltene Ringelnatter beim Schwimmen oder Sonnenbaden beobachten.

Der Riedsee ist mit einer Größe von rund zehn Hektar die größte Wasserfläche im FFH-Gebiet. Das ehemalige Torfgebiet baute viele Jahre die schwarze Erde ab. Heute zählt er wieder zu den beliebtesten Bereichen im Naturschutzgebiet Wurzacher Ried. Das liegt sicherlich nicht zuletzt auch an der tollen Landschaft, die der See Besuchern bietet.


Riedwiesen

Zusätzlich wird das Wurzacher Ried von großen bunten Riedwiesen umgeben. Die Wiesen werden selten gemäht und dürfen frei wachsen. So gedeihen sie brächtig und beherbergen viele Tiere und Blumen.

Der Verlauf der Jahreszeiten verleiht den Riedwiesen jedes Jahr aufs Neue ein abwechslungsreiches Aussehen. Eine große Blumenvielfalt sorgt jeden Sommer für ein wunderschönes Blühtenmeer unterschiedlichster Farben. Gelbe Sumpfdotter- und Trollblumen strahlen mit verschiedene Hahnenfuß-Arten um die Wette. Der Hochmoor-Gelbling ernährt sich im Sommer von dem süßen Nektar der Wiesenblumen. Er muss besonders gut schmecken, denn der Schmetterling ist ein häufig zu Gast. Auch der seltene Große Brachvogel ist auf den Riedwiesen heimisch. Er lässt sich besonders leicht erkennen durch seinen langen Schnabel und die langen dünnen Beine. Er gehört zur Familie der Schnepfen.


Besondere Arten im Naturschutzgebiet Wurzacher Ried

Aufgrund der bereits näher erläuterten Besonderheiten des Moors, beherbergt das Naturschutzgebiet Wurzacher Ried eine außerordentliche Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen. Biologen haben allein über 800 Pflanzenarten katalogisiert, die zur Roten Liste der gefährdeten und bedrohten Pflanzenarten gehören. Darüber hinaus wurden bei Zählungen bereits über 1500 besondere Tierarten im Sumpf entdeckt. Zurecht gehört das Land zum FFH-Gebiet.


Weitere Europareservate in Deutschland

Das Europadiplom ist eine Auszeichnung der Europäischen Union und kann an Naturschutzgebiete in ganz Europa verliehen werden. Voraussetzung für die Vergabe ist eine besonder ökologische, wissenschaftliche und kulturelle Geschichte der Natur. Der Preis ist in drei Kategorien unterteilt und beinhaltet Zukunftsprojekte, deren Umsetzung kontrolliert wird.

In Deutschland gibt es neben dem Naturschutzgebiet Wurzacher Ried noch weitere ausgezeichnete Schutzgebiete. Dazu gehören folgende: Naturschutzgebiet Lüneburger Heide, Naturschutzgebiet Wollmatinger-Ried-Untersee-Gnadensee, Naturschutzgebiet Siebengebirge, Deutsch-Luxemburgischer Nationalpark, Naturschutzgebiet Weltenburger Enge, Nationalpark Bayerischer Wald sowie der Nationalpark Berchtesgaden an der Landesgrenze zu Österreich.

Powered by WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: