Naturschutzgebiet Kühkopf

karte deutschland naturschutzgebiet kühkopf

Eine Schatzinsel „mitten im Fluss“ – ausgestattet mit einem Auern-Erlebnispfad. Das Naturschutzgebiet Kühkopf ist ein besonderer und schützenswerter Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten.


Mit dem Smartphone auf Entdeckungstour

Wenn ihr das nächste Mal im Naturschutzgebiet Kühkopf-Knoblochsaue wandern geht, vergesst die Handys nicht! Seit Oktober 2018 ist die einzigartige Altrhein-Auenlandschaft digital erschlossen. Der interaktive Auen-Erlebnispfad „Lebendige Inselwelt – Draußen im Fluss“ lädt rund um das Umweltbildungszentrum (UBZ) „Schatzinsel Kühkopf“ zur Entdeckungstour ein. Modern gestaltete Stelen säumen den Wegesrand, 14 Stück sind es insgesamt. Dort findet ihr auf Tafeln viele Informationen über die Besonderheiten von Natur und Kultur im größten hessischen Naturschutzgebiet. Alle Stelen sind zudem mit QR-Codes versehen – also einfach mal das Smartphone dranhalten. Neben weiteren Detailinfos stehen dort Bilder, Videos und Audio-Sequenzen zum Abruf bereit.

In einem Quiz könnt ihr euer Wissen testen. Eigens für den Erlebnispfad wurde eine App entwickelt, die man bereits daheim oder im UBZ auf sein eigenes Mobiltelefon aufspielen kann. Weitere ausgewählte Objekte in der Ausstellung im UBZ lassen sich ebenfalls mit QR-Codes digital zum Leben erwecken. Ohnehin solltet ihr auch der Ausstellung etwas Zeit widmen, denn sie ist sehenswert und abwechslungsreich: In den einstigen Kuh- und Schweineställen des Hofguts Guntershausen wurde im Frühjahr 2014 die Ausstellung „Mitten im Fluss“ eröffnet. Mit der Erweiterung im Zwischen- und im Obergeschoss im Herbst 2017 wuchs die Gesamtfläche auf etwa 1300 Quadratmeter. Mehr als 120000 Besucher haben das Naturschutzzentrum bislang besucht.


Am Oberrhein einmalig

Auf der Karte ist das Naturschutzgebiet Kühkopf leicht zu finden: Wie eine große Wasserschlaufe liegt es am nördlichen Oberrhein westlich von Darmstadt im Landkreis Groß-Gerau, zwischen den Gemeinden Stockstadt und Erfelden. Die Landschaft in der Oberrheinebene ist durch Industrie und Siedlungen in den vergangenen Jahrhunderten stark geprägt und verändert worden. Besonders einschneidend waren die Rheinbegradigungen im frühen 19. Jahrhundert: Sie erleichterten zwar die Schifffahrt auf dem Rhein, führten aber zum Verlust von mehr als 90 Prozent der einstigen Auen. Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts erhalten diese Landschaften wieder Aufmerksamkeit – als Naturschutzgebiete.

Seit 1952 steht das Naturschutzgebiet Kühkopf zusammen mit der im Norden angrenzenden Knoblochsaue unter Naturschutz. 1961 wurde es als „Europareservat für den Vogelschutz“ geadelt. Es wird durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der EU besonders geschützt und ist auch ein maßgeblicher Bestandteil des EU-Schutzgebietsnetzes „Natura2000“. Das NSG umfasst 2370 Hektar (1700 gehören zum Kühkopf) und ist heute der größte zusammenhängende naturnahe Auenkomplex am Oberrhein. Im „Natura2000“-Netz ist es ein Juwel.


Intakte Auenlandschaft

Flussauen zeichnen sich durch zeitweise Überflutungen aus, am Naturschutzgebiet Kühkopf kann der Wasserstand um bis zu sieben Meter variieren. Auen sind deshalb ein dynamischer, aber auch sehr sensibler Lebensraum, deshalb sind sie Naturschutzgebiete. Im begradigten Stromverlauf des Rheins hätten viele seltene Pflanzen und Tiere keine Möglichkeit zum Überleben – am Alt-Rhein können sie sich jedoch ungestört entwickeln. Die Arten sind perfekt an die wechselnden Wasserstände angepasst. Das gilt insbesondere für die Weiden direkt am Wasser. Sie sind die typischen Bäume der sogenannten Weichholzaue und vertragen bis zu 200 Tage im Jahr nasse Füße. Den biegsamen Zweigen macht die Strömung nichts aus. Ganz anders sieht die Landschaft in der Hartholzaue aus, die vor allem von Eichen und Eschen geprägt ist. Die ältesten Eichen im Naturschutzgebiet sind 250 Jahre alt. Das Holz ist hart und sehr widerstandsfähig. Weitere Baumarten sind Ulmen und Bergahorn.


Kopfweiden als Kulturrelikte

Kopfweiden sind eine ganz besondere Form der Weiden. Sie entstehen durch regelmäßige Schnitte. Ihre Stämme sind dick, die Zweige sind dünn und gerade, sie setzen direkt am Stamm an. Gepflanzt wurden sie einst am Alt-Rhein, um das Verlanden seiner Arme zu beschleunigen. Auch der Holznutzung dienten sie früher. Sie sind also Kulturrelikte. Heute gibt es im NSG 6000 von ihnen. Sie sollen erhalten werden, weil sie das Bild der Landschaft eindrucksvoll prägen. Das kann man besonders gut im Herbst bei Nebel erkennen.

Kühkopf Kopfweiden
Kopfweiden als Besonderheit im NSG Kühkopf

Akustisches Spektakel vor allem im Frühjahr

Das Nebeneinander von spezialisierten Pflanzengemeinschaften auf engstem Raum und abwechslungsreiche Elemente der Kulturlandschaft sorgen für einen Reichtum an Vogelarten, der in Deutschland einmalig ist. Fast 250 Vogelarten haben sich in einem der größten Vogelschutzgebiete in Europa dauerhaft oder vorübergehend niedergelassen, weitgehend ungestört vom Menschen. Dazu zählen das Blaukehlchen, der Mittelspecht oder die Weidenmeise. Besonders im Frühling sorgen sie für ein akustisches Spektakel. Besondere Erwähnung verdient der Schwarzmilan: Er liebt gewässerreiche Landschaften. Etwa 35 Paare brüten im NSG, das ist in Mitteleuropa die höchste Brutdichte. Nicht von ungefähr ist der Schwarzmilan deshalb der Symbolvogel des Kühkopfs.


Abwechslungsreiche Wander- und Radtouren

Insgesamt zehn ausgeschilderte Rundwanderwege durchziehen das Naturschutzgebiet Kühkopf auf mehr als 60 Kilometern. Sie eignen sich auch für Fahrradtouren. Ihr durchstreift dichte Auenwälder, die vor allem im Sommer Schatten spenden. Sie wechseln sich ab mit offeneren Auengebieten und bunt blühenden Wiesen. Knorrige, alte Bäume strecken sich in den Himmel. Mehr als 2000 alte Hochstamm-Obstbäume mit 30 verschiedenen regionalen Apfelsorten stehen auf der Kühkopf-Insel. Die ruhigen Wasserflächen des Altrheins lassen sich auch mit dem Kanu erkunden, während an den Ufern ausgedehnte Schilfbereiche vorbeiziehen. Auch bis an den Rhein selbst führen die meisten Wege. Für Picknick-Pausen stehen mehrere Schutzhütten am Wegesrand. Eine ganze Reihe von Aussichtspunkten laden zum Verweilen ein. Dort könnt ihr Frösche, Vögel und sogar Schlangen beobachten. Fernglas nicht vergessen! Im Sommer könnten allerdings Mücken und Schnaken zum Problem werden. Besonders erwähnenswert ist auch das umfangreiche Vorkommen von Bärlauch auf der Kühkopf-Insel.

Bärlauch
Bärlauch im Naturschutzgebiet Kühkopf

Anreise

Für Kraftfahrzeuge ist die Rheininsel gesperrt. Einen Parkplatz gibt es vor der Stockstädter Brücke, von dort sind es knapp 200 Meter bis zum Naturschutzzentrum. Wer mit dem Zug kommt, benötigt vom Bahnhof Stockstadt 15 bis 20 Minuten zu Fuß – das Naturschutzgebiet ist ausgeschildert.


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