Wissenswertes zum Wisent

Wisente sind die schwersten LandsĂ€ugetiere in Europa, wie uns der Betreiber von wisentinsel.de erklĂ€rt hat (vielen Dank fĂŒr das nette GesprĂ€ch Kai). Bereits ihre KĂ€lber wiegen bei der Geburt zwischen 24 und 28 Kilogramm. Dieses Gewicht verdoppeln sie schon in ihren ersten drei Lebensmonaten. Ausgewachsene Bullen bringen schließlich bis zu 850 Kilogramm auf die Waage. Auch die GrĂ¶ĂŸe der Wisente ist bemerkenswert. So misst die LĂ€nge vom Kopf bis zum Rumpfende circa 3 Meter. Die Widerristhöhe betrĂ€gt bis zu 2 Metern.

AuffĂ€llig ist vor allem der Körperbau der Wisente. Ihre RĂŒckenlinie fĂ€llt nach hinten ab. WĂ€hrend das Hinterteil sehr schmal und recht schwach ist, ist die Vorderpartie der Tiere stark ausgeprĂ€gt und muskulös. Der Kopf ist jedoch verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig klein. Zudem ist er recht tief angesetzt, sodass sich der charakteristische Buckel zeigt.

Die Fellfarbe variiert. Sie reicht von hellem bis zu sehr dunklem Braun. Das Sommerkleid der Tiere ist recht kurz. In den Wintermonaten schĂŒtzen sich die Wisente mit einem dichten Wollkleid vor der KĂ€lte. Zudem wĂ€chst ihnen von der Vorderbrust bis zur Stirn eine Art MĂ€hne. AuffĂ€llig sind auch die Hörner, die sowohl bei weiblichen als auch mĂ€nnlichen Tieren vorhanden sind. Sie sind nach innen gebogen und in der Regel dunkelgrau.

Charakteristisch fĂŒr Wisente sind auch die Laute, die sie von sich geben. Das ist einerseits eine Art Brummen oder Knurren. Zum anderen geben Wisente, wenn sie erregt sind, ein scharfes Schnauben von sich. Anhand der individuellen LautfĂ€rbung erkennen sich die Tiere innerhalb der Herde wieder. Insbesondere die KĂ€lber finden anhand der Stimmlage zum Muttertier zurĂŒck.


Wisent und sein natĂŒrlicher Lebensraum

Am wohlsten fĂŒhlen sich Wisente in MischwĂ€ldern. Dabei geben sie so genannten „BruchwĂ€ldern“ einen besonderen Vorzug. In dieser ursprĂŒnglichen Waldform greift der Mensch am wenigsten ein. Daher gibt es in der Regel einen hohen Anteil von Totholz. Dies wiederum sorgt dafĂŒr, dass der Wald lichtdurchfluteter ist, sodass sich die Krautschicht am Boden besser entwickeln kann und viel dichter ist.
Von eben jener Krautschicht ernĂ€hren sich die Wisente. In lichten LaubwĂ€ldern entfaltet sich diese nach den Wintermonaten bereits im MĂ€rz/April. Daher bevorzugen Wisente im FrĂŒhjahr reine LaubwĂ€lder. Zum FrĂŒhsommer, wenn die Krautschicht sich in den MischwĂ€ldern entwickelt, wandern die Tiere weiter. Das Revier einer Wisent-Herde kann eine FlĂ€che von bis zu 5.600 Hektar einnehmen.

Der tĂ€gliche Nahrungsbedarf von ausgewachsenen Wisenten liegt zwischen 30 bis 60 Kilogramm Raufutter. Dabei stehen Pflanzenarten wie Brennnesseln, Waldreitgras und Kratzdistel auf dem Speiseplan. Auch das junge Laub von Eschen, Hainbuchen, Salweiden sowie Himbeeren und Brombeeren wird nicht verschmĂ€ht. In den Herbstmonaten wird das spĂ€rlich werdende Nahrungsangebot durch Bucheckern und Eicheln ergĂ€nzt. In den Wintermonaten steigt zudem der Anteil von Baumrinden. Je dichter die Schneedecke im Winter wird, desto mehr sind die Wisente auf eine ZufĂŒtterung in Form von Heu angewiesen.

wisent junges


Die Verbreitung der Wisente in Deutschland und Europa

In prĂ€historischer Zeit waren die Wisente in großen Teilen von Europa verbreitet. Es gab Vorkommen von Nordspanien bis in den SĂŒden Skandinaviens. In östlicher Richtung reichte ihre Verbreitung bis in den Kaukasus. Die sĂŒdlichsten Regionen, die von Wisenten besiedelt wurden, waren Griechenland und die TĂŒrkei. Die Tiere waren auf Höhen von bis zu 2.000 Metern anzutreffen.
Vor rund 6000 Jahren begann der Lebensraum der Tiere jedoch mehr und mehr zu schrumpfen. Grund hierfĂŒr war die fortschreitende Entwicklung des Menschen. Dieser gab zu dieser Zeit sein unstetes Leben als JĂ€ger und Sammler auf und wurde als Bauer sesshaft. Das zog nach sich, dass er WaldflĂ€chen abholzte und urbar machte. Er baute Kulturpflanzen an und nutzte die gerodeten FlĂ€chen als Weide fĂŒr seine Haustiere. In der Folge starb der Wisent in einigen Regionen vollkommen aus – so etwa im Frankreich des 8. Jahrhunderts.

In Deutschland lebten bis ins 16. Jahrhundert Wisente. Auf dem Gebiet RumÀniens gab es sie bis ins 18. Jahrhundert. Der letzte wildlebende Wisent wurde Ende der 1920er Jahren im Kaukasus erlegt.

Auch auf polnischem Gebiet waren die Wisente im 11. Jahrhundert bereits rar geworden. Allerdings blieben RestbestĂ€nde erhalten, die als Jagdwild des Königs unter privilegiertem Schutz standen. Von besonderer Bedeutung fĂŒr die Erhaltung der Wisente wurde ein Waldgebiet zwischen Polen und Weißrussland – der Wald von Bialowieza. Der russische Zar stellte die Region ab 1795 unter strengen Schutz. So stand auf Wilderei die Todesstrafe. Auch das Abholzen wurde in weiten Teilen des Waldgebiets untersagt.

Auf diese Weise erholte sich die Population. Zum ausgehenden 19. Jahrhundert wurden an die 1.900 Wisente gezĂ€hlt. Einige der Tiere wurden gefangen und an Tierparks, Wildgehege und Zoos verschenkt. Nachdem die BestĂ€nde zum Ende des I. Weltkrieges stark zurĂŒckgingen, griff man – als man in den 1920er Jahren erste Anstrengungen zur Arterhaltung unternahm – auf die in Gefangenschaft lebenden Wisente zurĂŒck.

Zu Beginn der 1950er Jahre wurden auch im Wald von Bialowieza Wisente wieder angesiedelt. Auswilderungsprogramme gibt es inzwischen auch in der Slowakei, den Niederlanden, in RumÀnien, DÀnemark, Frankreich und Deutschland. Die Herde in der Slowakei zÀhlte im Jahr 2013 einen Zuwachs auf 17 Wisente. In RumÀnien existiert eine 10-köpfige Wisentherde. Im deutschen Rothaargebirge wurden 2013 acht Wisente ausgewildert. Inzwischen ist diese Herde auf 16 Tiere angewachsen.

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